Endstation Edgware

In diesem Blog lasse ich hauptsächlich Bilder sprechen. Aber manche Geschichten müssen doch mit Worten erzählt werden. Weil sie so unglaublich sind und währenddessen kein Gedanke daran verschwendet wurde, ein einziges Foto zu machen. So eine Geschichte habe ich erlebt in London.

21.02.2020, London

 

Ca. 11.40 Uhr: Auschecken im Hotel

 

Ca. 11.50 Uhr: U-Bahn Station Embankment. Aufladen der 2 Oystercards für eine Fahrt mit der Bakerloo Line zur Paddington Station, um dort mit dem Heathrow-Express zum Flughafen zu fahren.

Die U-Bahn zur Paddington Station steht, die Bakerloo Line wird bestreikt. Wir verlassen die U-Bahn wieder und fahren stattdessen mit der Northern Line zur Charing Cross Station. Dort bemerken wir, dass es von dort aus nicht nach Paddington geht, wir müssen zurück zur Embankment Station. Wieder an der Embankment Station fahren wir mit der Circle Line zur Paddington Station. Nun, endlich in der richtigen U-Bahn, bemerke ich plötzlich, dass mein Rucksack fehlt. Für einen Moment bleibt meine Welt stehen - wie kann das sein? Wir steigen in der Westminster Station aus und fahren wieder zurück zur Embankment Station. Vielleicht habe ich beim Aufladen der Oystercards den Rucksack abgesetzt und stehen lassen? 

In Embankment treffen wir um ca. 12.20 Uhr auf sehr hilfsbereite Mitarbeiter der London Underground, aber mein Rucksack ist nicht da. Der Mitarbeiter telefoniert viel rum, ob der Rucksack gefunden wurde. Wir vermuten, er ist in der ersten U-Bahn der Bakerloo Line , die bestreikt wurde. Die U-Bahn ist mittlerweile weitergefahren. Der Mitarbeiter bittet uns zu warten, weil er immer wieder checkt, ob der Rucksack gefunden wurde. Aber nichts. 

 

12.46 Uhr: Wir telefonieren mit der Fluggesellschaft, um unseren Flug umzubuchen. Wir können aber noch nicht an den Flughafen, weil ich auch keinen Ausweis mehr habe. Wir müssen zur Polizei und zur Deutschen Botschaft.

 

Ca. 13 Uhr: Wir laufen die 5 Minuten zum Hotel und geben unsere Koffer dort ab. Die Hotelmitarbeiter raten uns, direkt zur Deutschen Botschaft zu fahren. Wir nehmen ein Taxi und fahren ca. 15 Minuten zur Embassy of Germany, 23 Belgrave Square, London.

 

Um 13.21 Uhr schreibe ich meinem Bankberater, dass er die Kreditkarte und Bankkarte sperren soll, was unverzüglich passiert. 

 

13.28 Uhr: Wir sind da, aber finden zunächst den Eingang nicht. Wir fragen uns durch. Mein Telefon klingelt – eine Nummer aus Litauen. Es ist Booking.com. Was wollen die denn ausgerechnet jetzt? Aber Moment, sie teilen uns mit, dass mein Rucksack anscheinend gefunden wurde. Eine Nummer, die wir anrufen sollen, wird durchgegeben. Es ist die Nummer von der U-Bahnstation Edgware, der Endstation der Northern Line.

Wir fahren zurück zum Hotel und zwischenzeitlich habe ich mit der Edgware Station telefoniert. Wir können meinen Rucksack dort abholen. Also holen wir unsere Koffer und laufen wieder zu Embankment Station. Große Freude bei den hilfsbereiten Mitarbeitern dort, dass der Rucksack gefunden wurde. Wir müssen nochmal die Oytercards aufladen und Strafe zahlen, weil wir uns durch das Durcheinander am Anfang nicht ausgecheckt haben. 

 

Ca. 15.10 Uhr: Ankunft in Edgware. Als wir unseren Namen sagen, fangen die Mitarbeiter schon an zu strahlen! Der Rucksack ist tatsächlich da. Zuerst gucke ich in die äußeren Taschen – alles leer. Aber im Inneren finde ich alles: Geldbeutel mit Ausweis, Kamera, Schlüssel, Laptop! Es fehlt absolut nichts. Beim Verlassen des Bahnhofs schreibt uns der freundliche Mitarbeiter noch unsere Strafgebühr wieder auf unseren Oystercards wieder gut! Absolut unglaublich!

Vor der U-Bahnstation steht ein einziges Taxi und wir fahren damit zum Flughafen. Wir werden von einem LKW Fahrer noch gewarnt, nicht in dieses Taxi einzusteigen... Aber was kann heute schon noch passieren?

 

15.35 Uhr: Während der Taxifahrt telefoniere ich mit der Fluggesellschaft und buche unsere Flüge auf die 18.30 Uhr Maschine.

 

16.30 Uhr: Ankunft am Flughafen Heathrow. Der Kartenleser vom Taxi funktioniert nicht, ich laufe im Eiltempo in die Eingangshalle und hebe 100 Pfund mit der Kreditkarte ab, die ich noch nicht sperren hab lassen! 

 

18.16 Uhr: Wir sitzen nun auf unserem Platz im Flugzeug. Sind sehr erleichtert und dankbar, dass alles doch so gut ausging!

 

Ein herzliches Dankeschön an die super freundlichen Mitarbeiter der Londoner Underground und an alle Beteiligten, die es mir ermöglicht haben, meinen Rucksack nach 3 Stunden Ausnahmezustand wieder in Empfang nehmen zu können. Und vor allem an meine Tochter, die es mich während der ganzen Zeit der Ungewissheit und Verzweiflung nie spüren hat lassen, welchen Riesenbock ich doch geschossen habe!!! 

 

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Heidi Ries  |  Rehovotstr. 5 | 69115 Heidelberg

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